Klipp hat bereits im Januar die Preise um durchschnittlich 10 % angehoben, wird es weitere Preisanpassungen geben?
GK: Im Moment sind keine weiteren Preiserhöhungen geplant.
Wie finanzieren Sie diese Erhöhung?
GK: Einen Teil decken wir durch Preiserhöhung ab, der Rest geht auf unseren Ertrag.
Wie wurden denn die Preiserhöhungen von Kundinnen aufgenommen?
GK: Vereinzelt gab es in den ersten Wochen vor allem am Land ein paar Kommentare. Aber insgesamt war es kein wirkliches Thema.
Wie schult man Mitarbeiter in ihrer Betriebsgröße darauf, über Preiserhöhungen zu sprechen?
GK: Wir haben ein neues Format, Klipp live. In Live-Schaltungen zu allen Mitarbeiterinnen berichten und erklären wir, was wir machen. Auf die Ankündigung der Lohnerhöhung haben alle super reagiert und sich bedankt.
Wir erklären aber auch, dass das nur geht, wenn wir den Weg gemeinsam gehen, es ist ein Kreislauf: Wir erhöhen die Preise, damit wir Gehälter anheben können. Und das geht nur, wenn die Qualität unserer Dienstleistung passt! Das entscheidet letztendlich der Kunde.
Ein anderes Ergebnis in der Studie überrascht mich: ‚Man will nicht mit schwierigen Kunden zu tun haben‘ ist der zweithäufigste Grund, der gegen die Berufswahl Friseur spricht. Was kann man dagegen unternehmen?
GK: Ein großer Abgang kam bei uns nach Corona, als viele Friseure die Branche verließen. Wir führen mit vielen Mitarbeitern Exit-Gespräche. Das Hauptargument für das Weggehen war: ‚Ich mag nicht mehr mit Kunden arbeiten.‘ Das ist ein großes Thema, das wir alle miteinander nicht unterschätzen dürfen.
Wie bereiten Sie ihre Lehrlinge darauf vor?
GK: Wir haben ein eigenes Social Fitness Programm entwickelt. Im ersten Lehrjahr fokussieren wir im Coaching darauf, wie man im Team ankommt und mit Kollegen umgeht. Im zweiten Lehrjahr trainieren wir den Umgang mit Kunden, aber auch wie man sich selbst darauf einstellt. Im dritten Lehrjahr geht es dann um Resilienz und worauf man bei sich selbst achten muss, um nicht auszubrennen. Das begleiten wir über 3 Lehrjahre.
Sie haben hierfür externe Coaches?
GK: Ja, aber auch unsere Ausbildner bilden wir dahingehend aus.
Das ist sehr spannend, denn hier liegen auch viele aktuelle Problematiken verborgen, die den Umgang der Generationen betreffen.
GK: Tatsächlich beobachten auch wir das. Alte Prinzipien kann man der neuen Generation nicht einfach überstülpen. Hier müssen wir an eingefahrenen Mindsets, vor allem an unseren eigenen, arbeiten, darin sehen wir einen Schlüssel. Wir haben aber auch noch nicht die perfekte Lösung gefunden.
Stichwort 4-Tage-Woche, darüber wird viel geschrieben? Wie geht man damit um?
GK: Ja! Darüber wird zu viel berichtet! Vor allem ‚Samstag frei‘ zu haben ist ein großes Thema. Hier arbeiten wir an Dienstplan-Modellen, um dies verstärkt zu ermöglichen. Eine große Herausforderung ist die Lohn- und Abgabenentwicklung, der Finanzminister verdient an jeder Gehaltserhöhung maßgeblich mit. Und das finde ich bitter.
Wie sieht es aus mit Lobbyarbeit? Haben Sie Kontakte in die Politik?
GK: Ja, punktuell. Aber Lobbyarbeit funktioniert nur dann, wenn man sie dauerhaft mit Druck betreibt. Ich habe ein Unternehmen zu führen und nicht die Zeit, permanent dranzubleiben. Ich denke, man muss dringend überlegen, einen Teil der Kammerumlage in professionelle, fixe Lobbyressourcen zu investieren. Bei aller Wertschätzung für deren Einsatz – aber kein Innungsmeister dieser Welt hat die Zeit, das Netzwerk und auch nicht die Konstanz, das leisten zu können. Sie oder er ist ja primär Unternehmerin und hat ein Geschäft zu führen.
Gibt es hierzu Gespräche mit der Innung?
GK: Die Innung ist Opfer ihrer eigenen Struktur, dafür können die Vorsitzenden nichts. Es gibt inklusive Bundesinnung 10 verschiedene Innungen für unser kleines Österreich! Da werden Kräfte von Anfang an geschwächt. Daher ist es so wie es ist und ich bin Österreicher genug zu wissen, dass sich hier auch in Zukunft nichts ändern wird. Viele Vertreter der Innung hauen sich ins Zeug – können aber bei wesentlichen Themen einfach nichts ausrichten! Ich finde es z.B. gut, dass gerade die Digitalisierung der Ausbildungsinhalte thematisiert wird, da unterstützt die Innung gut. Auch die aktuelle Werbekampagne finde ich ansprechend. Aber die Struktur verhindert Schlagkraft. Nicht umsonst gibt es einen Industriellenverein, einen Hoteliers- oder Handelsverband – dort wird außerhalb der Wirtschaftskammer konsequent und sehr erfolgreich Lobbyismus betrieben.
Weshalb gibt es keine Friseurvereinigung?
GK: Jeder ist aktuell – und das meine ich nicht sarkastisch – mit sich und den aktuellen Herausforderungen sehr beschäftigt. Wir gehen jetzt diesen Weg und den kommunizieren wir bewusst nach außen. Ich will das leidige Thema „Gehalt“ angehen und wir machen das jetzt.
Wie entwickelt sich aktuell das Salongeschäft?
GK: Das Geschäft läuft super.
Hat sich das Besuchsverhalten der Kunden verändert?
GK: Was wir bemerken ist, dass es die klassischen Schwankungen und Peaks wieder vermehrt gibt, Ströme verteilen sich noch nicht so gleichmäßig, wie noch vor Corona. Leider schicken wir in bestimmten Regionen Kunden weg, weil wir nicht genügend Mitarbeiterinnen haben.
Aber wo wird dann die Dienstleistung stattfinden? Alles Schwarzarbeit?
GK: Ich tue mir sehr schwer, diesen Bereich einzuschätzen. Ich kritisiere hier allerdings nicht einzelne Marktteilnehmer, wie die Barbershops, sondern die öffentliche Hand, die rein gar nichts dafür tut, zu schauen, wer ehrlich arbeitet und wer nicht. Es gibt so viel offensichtliche Stellen, wo weggeschaut wird. Das schadet nur den ehrlichen Unternehmen – egal ob groß oder klein! Das kritisiere ich!
Vielen Dank Herr Kraft für das offene Gespräch und eine interessante Studie.