Interview von Katriina Janhunen
Was können Friseure tun, damit sich blinde Kundinnen im Salon wohlfühlen?
Jennifer Sonntag: Viel Kommunikation! Viele Menschen fremdeln mit der Blindheit und wenn keine Willkommenskultur herrscht, ist das für Betroffene erstmal unangenehm. Vieles ist sehr sehend gedacht und als blinde Person kommt man sich wie ein Alien vor. Darum ist im ersten Schritt eine Willkommenskultur wichtig, in der sich keiner fragt „Was will denn die Blinde beim Friseur oder beim Kosmetiker, die sieht es doch eh nicht.“ Den Satz habe ich wirklich schon sehr oft gehört.
Ich habe großes Glück mit meinem Salon, habe aber auch eine Weile gesucht. Meine Friseurin hat für mich eine Führtechnik entwickelt – die weiß, wie sie mich zum Stuhl bringt und wenn sie was nicht weiß, dann fragt sie mich ganz offen.
Was beinhaltet so eine Führtechnik?
JS: Mir ist z.B. wichtig, dass man nicht einfach Mantel, Tasche und Langstock wegnimmt und irgendwo hinstellt, ohne dass ich weiß, wo mein Hab und Gut ist. Für mich verschwindet es dann ja irgendwie im Nirvana und ich bin 2 Stunden lang total nervös, weil ich nicht weiß, wo meine Sachen sind.
Es ist nicht schlimm, wenn man keine Erfahrung mit blinden Menschen gemacht hat, da muss man sich erst herantasten und darf keine Angst vorm Fragen haben. Einfach fragen, ob man zum Stuhl geführt werden möchte, ob man sich einhaken soll oder wie man durch die Tür führen soll. Man darf immer Hilfe anbieten, aber nicht einfach ungefragt machen oder angreifen. Stühle sind auch ein Thema, weil die drehen sich manchmal weg.