Positive Momente sind wichtiger denn je – und der Friseurbesuch gehört ohne Frage dazu. Wie schaffst du das im Alltag?
AR: Ich bin kein Sonnenschein, der immer strahlend durch den Laden läuft. Trotzdem nehme ich meine Kundin in den Arm und stelle mich auf sie ein. Ich habe Männerkunden, die zahlen 65 Euro und haben fünf Haare auf dem Kopf. Für den einen ist es wichtig, dass wir vor und nach dem Haarschnitt kurz draußen eine rauchen; für den anderen, dass wir übers letzte Fußballspiel reden. Egal – ich bin da.
Was heißt „ich bin da“ konkret? Welche Signale entscheidet ihr bewusst im Salon zu senden?
AR: Es geht um die vielen Signale, die wir senden. Wir alle erleben gerade viel: wirtschaftliche Verunsicherung, Ängste … Aber wir schaffen in den Salons einen Wohlfühlort! Für mich ist das Seelenmassage. Emotionalität. Dieses Gefühl: Die Kundin und der Kunde sind gern gesehen – wir freuen uns auf sie und wollen, dass sie eine gute Zeit haben.
Für den einen bedeutet das, eine Stunde nichts zu reden. Für die andere, die beste Freundin mitbringen zu können. Wenn wir solche Rückzugsorte schaffen, ist das unser Erfolg – und das lässt sich mit fast jedem Konzept umsetzen. Das ist eine Haltungsfrage.
Wenn es eine Haltungsfrage ist: Wie bringt man Teams dahin – vor allem, wenn gerade Druck, Personalmangel und Erschöpfung da sind?
AR: In unseren Communities höre ich nur noch Mindestlohn, Preissteigerungen, Inflation. Ich lese fast nichts über Dienstleistung. Ich kann mich an Zeiten erinnern: Hotelier Klaus Kobjoll hat ganze Hallen zum Thema perfekte Dienstleistung gefüllt. Heute reden wir nur noch über uns, nicht mehr über Kunden. Nur, ohne Kunden brauchen wir auch keine Konzepte, sorry.
Wir müssen Momente persönlicher Bindung schaffen und da ist enorm viel Luft nach oben. Lösen wir uns aus unserer Problemwelt! Die Probleme kenne ich alle. Als Kunden sind wir selbst superkritisch: in der Gastro, im Einzelhandel … Doch wir sollten uns in unseren eigenen Reihen ehrlich fragen: Ist bei uns wirklich alles kundenorientiert?
Danke dir, Achim, für das Gespräch!