Was meinst du konkret?
ÜA: Ich liebe zum Beispiel Duty-free-Shops. Nicht, weil ich dort unbedingt Geld spare, sondern weil ich kleine Dinge liebe: Travel Sizes, kleine Cremes, Mini-Produkte, das catcht mich. Ich kaufe etwas für meine Tochter, etwas für meine Frau und vielleicht eine Gesichtscreme für mich. Brauche ich die? Wahrscheinlich nicht. Aber ich fühle mich wahrgenommen!
Wenn eine Mitarbeiterin dann sagt: „Wir haben hier noch diese Travel Sizes“, hat sie mich verstanden. Sie ist perfekt geschult und erkennt, was zu mir passen könnte. Genau dieses wahrnehmen können wir auch im Salon noch viel stärker leben.
Du warst vier Jahre Obermeister in der Innung. Warum hast du sie Anfang des Jahres verlassen?
ÜA: Ich bin ein Mensch, der gerne motivieren und bewegen möchte. Aber ich bin ein Energy-Saver und schaue sehr genau, wohin ich meine Energien lenke. Wenn wenig passiert, bin ich weg. Es war eine tolle Erfahrung, eine wertvolle Zeit. Aber ich bin niemand, der irgendeinen Titel behält, nur um ihn zu haben.
Konntest du etwas bewegen?
ÜA: Ich glaube, ich konnte einzelne Impulse setzen. Die großen strukturellen Veränderungen, die ich mir gewünscht hätte, sind allerdings ausgeblieben.
Woran hapert es?
ÜA: Dass wir oft an alten Strukturen festhalten, obwohl sich die Bedürfnisse der Betriebe und der nächsten Generation längst verändert haben.
Wenn du als Educator unterwegs bist: Was nimmst du persönlich mit?
ÜA: Emotionen. Am Anfang meiner Education-Reise dachte ich, ich fahre irgendwohin und bringe jemandem etwas bei. Heute weiß ich: Das ist Quatsch. Oft nehme ich Menschen einfach die Angst, etwas umzusetzen, was sie eigentlich schon können. Ich öffne nur wieder eine Schublade.
Und das macht ein gutes Seminar aus: Dass man sich nicht erklären muss. Dass man einfach der Mensch sein darf, der man ist. So wie in einem guten Team: Wir sitzen nicht nur zusammen und sprechen über Trends. Wir sprechen über Freude, Depressionen, Trauer, Leid, einfach über das Leben.