Dürfte nach diesem Gedankengang ein Salon, der ausschließlich Farbe macht, ausbilden?
DM: Kritiker würden genau mit diesem Argument kommen und es würde sich nichts ändern. Es ist ein Gedanke, der weitergedacht werden muss, auch im Zugang zu den Gewerberichtlinien. Aber wenn Sie sich heute irgendwo spezialisieren, egal in welchem Feld, habe Sie Haare schneiden schon einmal anderswo gelernt und praktiziert und können das dann auch weitergeben.
Wie kann ich mich als Lehrling spezialisieren, wenn mein Salon in einer anderen Richtung aufgestellt ist? Gäbe es da vonseiten der Innung Unterstützungsmöglichkeiten?
DM: Das probieren wir derzeit in unserer Berufsschule. Die Landesinnung Burgenland engagiert eine Firma, die sich auf verschiedenste Services spezialisiert hat, wie Ausbildung in der fachlichen Kopfmassage, beim Augenservice und der Maniküre für das 1. Lehrjahr. Das steigert sich natürlich in den folgenden Ausbildungsjahren bis zu Haarverlängerungen. Die Lehrlinge bekommen über jede Spezialisierung ein Diplom, was im Betrieb wiederum zu Umsätzen führen kann: Warum eine fachliche Kopfmassage nicht um 10 Euro anbieten?
Wie sind die Kosten bei diesem Modell geregelt?
DM: Die Kosten übernimmt die Innung. Derzeit geht es auch noch um die geforderten Praxisstunden laut Ausbildungsplan, dem wir entsprechen müssen. Das ist ein Grundkonzept, mit dem wir einen Grundstein legen. Industriepartner bieten weitere Ausbildung und Spezialisierungen an.
Das ist spezifisch im Burgenland?
DM: Nein, solche Ansätze gibt es z.B. im Bereich Strähnen- und Farbtechniken bereits schon in Kärnten, aber auch andere Innungen ziehen mit.
Können Sie auf die Unterstützung der Berufsschullehrer zählen?
DM: Ja, ohne diese und die Schuldirektion würde das nicht funktionieren.
Wie kann die Innung ausbildende Unternehmen unterstützen, um potenzielle Lehrlinge zu finden?
DM: Ich nehme gern mein eigenes Beispiel: zwei Töchter, beide haben die Matura gemacht. Die eine ist im Lehramt, die andere nach der verkürzten Lehre bei uns im Betrieb eingestiegen. Der Grundgedanke in vielen Elternhäuser ist nach wie vor ‚Mach erst einmal die Schule gescheit und dann sehen wir weiter.‘ Dieser Gedankengang muss sich ändern und das gilt für alle Berufe. Die Lehre muss attraktiver werden und in meinen Augen kann das System, wie ich es vorschlage, hier punkten. Weil es interessanter wird, wenn Lehrlinge mehr im Betrieb, im Beruf, sind. Zudem würde ich die Berufsschulzeit von derzeit 10 Wochen verkürzen.
Da wäre noch das Lehrlingsentgelt, das im Vergleich mit anderen Branchen nicht besticht.
DM: Die Problematik in der Bezahlung liegt in der Dienstleistung. Ein Lehrling im Einzelhandel kann nach ca. 3 Monaten voll eingesetzt werden, ein Lehrling in der Dienstleistung erwirtschaftet frühestens ab dem 2. Lehrjahr. Im letzten Lehrjahr bekommt ein Friseurlehrling knapp 1000 € netto. Stellt man das einer 20-stündigen Fachkraft mit dem ungefähr gleichen Netto-Verdienst gegenüber, müsste ein Lehrling, damit dem Betrieb 15 Prozent Gewinn bleibt, ca. 5000 € im Monat erwirtschaften. Das ist die Herausforderung, Lehrlinge in die direkten Löhne hineinzubringen.