Carlos Barroca, Salonunternehmer und L'Oréal Professionnel Akteur, im Gespräch mit Raphaela Kirschnick
Du warst gerade einer der Main Acts der Future You Tour von L'Oréal Professionnel. Was verändert sich im Farbsektor?
Carlos Barroca: Wenn ich auf der Bühne stehe, wie vor kurzem in München für L'Oréal Professionnel, recherchiere ich immer monatelang, denn wir müssen lernen über den Tellerrand hinauszuschauen. Ein bedeutender Einfluss hat auf mich Pantone, denn daran orientieren sich die großen Modelabels. Die 2025er-Farbpalette präsentiert eine Mischung aus natürlichen, warmen Tönen sowie mutigen, modernen Akzenten. Warme Gold-, Bronze- und erdige Rottöne, sowie Gelbgold und Kupfer stehen im Fokus und werden von kühleren Nuancen wie Asch- oder Mocca-Rose durch die Saison begleitet. Die Farben bilden starke Gegensätze, zeitgleich erleben wir ein Revival von sehr dunklen, düsteren Farben, aber auch hier durchzogen von lebendigen Tönen, wie grünen Akzenten.
Was sind aktuelle Kundenwünsche?
CB: Wir merken einen Rückgang von Balayage und einen starken Anstieg an Strähnentechniken. ‚Strähnen‘ ist leider ein angestaubter Begriff, da wählen wir entsprechendes Wording, ob in Preislisten oder sozialen Medien.
Was sind die gängigsten Alternativbegriffe für Strähnen?
CB: Ich benutze gerne Begriffe wie „Highlighting, Babylighting, Lowlighting, Face Framing, Foilyage, Rooted Blonde, Dimension Color“, aber genauso „klassische Strähnen“, wenn ich Ü50 Kundinnen bediene. Ich finde, man muss das Wording immer an die Kundschaft anpassen.
Wie emanzipiert sind Kundinnen heutzutage, wenn es ums Wissen der Chemie bei Haarfarben geht?
CB: Circa jede fünfte Colorationskundin möchte wissen, was da auf ihre Haut kommt, dieses Bewusstsein ist in den letzten Jahren extrem gestiegen.
Das erfordert sehr viel Fachwissen von Seiten des Friseurs. Wie bereitest du dich und dein Team darauf vor?
CB: Mit jedem Update müssen wir uns weiterbilden. In meinem Salon machen wir das als Gruppe, manchmal holen wir uns einen L'Oréal Professionnel Trainer für ein Salon-Coaching ins Boot oder arbeiten mit dem Online-Portal ACCESS oder nutzen Social-Media-Plattformen. Unsere Kunden erwarten von uns, dass wir uns auskennen.
Außerdem gibt es nichts Professionelleres, als vor Kunden über Besonderheiten zu sprechen. Nimm zum Beispiel iNOA; es gibt viele ammoniakfreie Haarfarben im Markt, aber eben keine auf Öl-Basis mit patentierter Technologie. Das begeistert und überzeugt unsere Kunden.