Denn nein, lieber Guido: Eine Frisur ist kein 20-Euro-Teil „sweatshop-made“, das man bei Nichtgefallen halt retourniert. Im Friseur-Salon stehen Menschen. Und zwar Menschen, die in Minuten oft Dinge möglich machen sollen, die eigentlich Zeit, Vorbereitung, Beratung und eine brauchbare Ausgangslage benötigen.
Eine Hochsteckfrisur ist nicht „zack-zack, zehn Minuten, passt schon“. Da geht’s darum, dass jemand mit den Händen arbeitet, nicht mit Zauberstab. Wenn die Kundin zu kurzes, zu dünnes oder ungewaschenes Haar mitbringt, ist das wie „bitte ein maßgeschneidertes Kleid, nur ohne Maßnehmen, ohne Zuschnitt und am besten in einer halben Stunde“. Spoiler: Das Ergebnis wird niemandem gerecht. Nicht der Kundin. Nicht der Friseurin. Und auch nicht dem Anspruch, den man bei „guten Produkten“ sonst so gern hochhält.
Ja: Über Ergebnisse darf man reden. Natürlich. Kritik ist nicht verboten. Aber der Ton macht den Unterschied zwischen „ehrlicher Einschätzung“ und „öffentlicher Bloßstellung“. Und wenn ein Social-Media-Clip so geschnitten oder kommentiert wird, dass am Ende eine einzelne Friseurin als unfähig dasteht, dann ist das keine Unterhaltung mehr. Das ist digitale Hexenjagd im Glitzerkleid mit Krone drauf.
Die Friseurin hätte ablehnen können, ja. Trotzdem hat sie ihr Bestes gegeben. Vielleicht war das Ergebnis nicht perfekt, aber perfekt ist selten. Vor allem, wenn man unter Zeitdruck aus einer schwierigen Basis noch „TV-tauglich“ zaubern soll.
Guido, du bist selbst Handwerker. Gerade deshalb wünsche ich mir: weniger Häme, mehr Kollegialität. Man kann über Situationen lachen, ohne Menschen in einer absoluten Stress-Situation ins Lächerliche zu ziehen. Und man kann Quote machen, ohne Handwerk zu entwerten. Das wäre dann ein wirklicher royaler Moment.
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