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v.li.: Mag. Stefan Jenewein (Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung), Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder,und Dr. David Pfarrhofer (Market Institut) | Credit: imSalon Redaktion

05.06.2026

Bundesinnung fordert Halbierung der Umsatzsteuer

Die Bundesinnung präsentierte in Wien aktuelle Branchendaten und zwei klare Forderungen an die Politik: die Senkung der Umsatzsteuer für Friseurdienstleistungen auf 10 % und die Sicherung der Lehrlingsförderung.

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Beim Pressegespräch in der Wirtschaftskammer Österreich präsentierten die Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder, Mag. Stefan Jenewein von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung und Dr. David Pfarrhofer vom Market Institut aktuelle Marktzahlen zur Friseurbranche, ihre Forderungen und deren mögliche Auswirkungen der Senkung der Umsatzsteuer.

Die Forderungen gingen die Tage durch die österreichische Presselandschaft - das Thema interessiert!

58 % EPU in der Friseurbranche

Die Friseurbranche steht weiterhin unter massivem wirtschaftlichem Druck. Obwohl die Anzahl der Betriebe seit 2010 um 47 % gestiegen ist, ging die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 25 % zurück. Einen Grund hierin sieht die Bundesinnung in der steigenden Anzahl der Ein-Personen-Unternehmen (EPU), deren Anteil mittlerweile bei 57,8 % (2025) liegt. Mehr Betriebe, weniger Beschäftigte, weniger Ausbildungsbetriebe und ein Geschäftsvolumen, das nicht mitwächst: Allein 2025 ging der reale Umsatz um 3,4 Prozent zurück, 33 % der Betriebe meldeten im 1. Quartal 2026 sinkende Umsätze.

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Die Zahlen der Friseurbranche 2010 - 2025

Betriebe

Anstieg um 47 %: von 7.048 (2010: 36,5 %) auf 10.415 (2025: 57,8 %)
Zum Vergleich: Der EPU-Anteil in Österreich liegt bei insgesamt 62,1 %

Beschäftigte

Rückgang um 25 %: von 19.992 (2010) auf 15.534 (2025) 
Seit 2019 verzeichnen wir einen Rückgang von 22 %

Lehrlinge

Rückgang um 57%: von 3.893 (2010) auf 2.203 (2025) 
Zum Vergleich: Der Anteil der Lehrlinge in Österreich ging im selben Zeitraum um 21 % zurück. Die Stagnation der Lehrlingszahlen seit 2022 sieht Eder als Hinweis, dass die neue Werbelinie der Friseurinnung fruchtet, die den Salons Hilfsmittel an die Hand gibt, um ein junges Publikum anzusprechen. 

20 Prozent Umsatzsteuer treffen vor allem Arbeitgeberbetriebe

Die Bundesinnung ortet eine klare Schieflage. Klassische Salons mit Personal und Lehrlingen tragen hohe Personalkosten, können aber kaum Vorsteuer geltend machen, weil der Wareneinsatz im Vergleich zu anderen Branchen gering ist. Viele EPU sind hingegen durch die Kleinunternehmerregelung umsatzsteuerbefreit.

Die WKÖ-Bundesinnung hat deshalb in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Markus Marterbauer die Halbierung des Steuersatzes von 20 auf 10 Prozent urgiert.

„Unsere Friseurbetriebe trifft die volle Umsatzsteuer von 20 Prozent, obwohl die Personalkosten 85 Prozent oder mehr ausmachen. Der Wareneinkauf ist bei uns viel geringer als in anderen Branchen, deshalb kommt der Vorsteuerabzug kaum zu tragen. Das belastet unsere Kundinnen und Kunden und ist so nicht mehr leistbar.“, so Wolfgang Eder.

Entlastung für Ausbildung, Frauenbeschäftigung und regionale Salons

Die Auswirkungen einer halbierten Umsatzsteuer hat Stefan Jenewein (GAW) analysiert. Seine Einschätzung: „Das wäre ein sehr positives Signal für Betriebe, die die Fachkräfte von morgen ausbilden, überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigen und Wertschöpfung in ländlichen Regionen halten. Und es würden die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren.“

Erfahrungswerte aus den Niederlanden hätten gezeigt, dass Friseurbesuche durch eine Steuersenkung leistbarer wurden. Zudem könnte die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen verringert werden.

Mehr offizieller Umsatz statt Schwarzarbeit?

Ein weiterer Punkt betrifft die Schwarzarbeit: Laut Schätzungen wurde 2022 im Friseurbereich ein Umsatz von mehr als 205 Millionen Euro schwarz erwirtschaftet, was bedeutet, dass jeder fünfte Euro in der Schattenwirtschaft erzielt wird. Innungsmeister Eder sieht in einer niedrigeren Umsatzsteuer eine Möglichkeit, einen relevanten Teil dieser Umsätze zurück in den offiziellen Wirtschaftskreislauf zu holen. Die Steuereinbußen für den Staat würden unterm Strich nur rund 25 Mio. Euro ausmachen.

Umfrage zu Steuersenkung bestätigt Unterstützung in der Bevölkerung

Laut einer Umfrage des Market-Instituts Ende Mai 2026 unter 1003 Personen hat ergeben, dass sich 6 von 10 Befragten für die Mehrwertsteuerreduktion aussprechen. Nur ein Viertel sei dagegen, so Dr. David Pfarrhofer.

Die Erwartungen der Befragten sind klar:

  • 62 % versprechen sich eine Stärkung der Friseurbetriebe.
  • 59 % leistbarere Services.
  • 55 % mehr Ausbildungsbetriebe.
  • 48 % sehen geringere Anreize für Pfusch.

Gleichzeitig gibt es auch Bedenken:

  • 74 % befürchten, dass andere Branchen ähnliche Forderungen stellen könnten.
  • 50 % sorgen sich, dass dafür an anderer Stelle eingespart werden müsste.

Für Salons besonders interessant:

  • 35 % der ÖsterreicherInnen würden bei einer Umsatzsteuerreduktion häufiger zum Friseur gehen.
  • Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 54 %.

Lehrstellenförderung dauerhaft sichern

Neben der steuerlichen Belastung bleibt der Fachkräftenachwuchs eine der größten Sorgen der Branche. Die Zahl der Lehrlinge hat sich seit der Corona-Pandemie nicht mehr erholt. Erschwerend kommt hinzu, dass EPU und Betriebe mit eingeschränkter Gewerbeberechtigung nicht ausbilden und sich die Verantwortung für Ausbildung auf immer weniger Betriebe verteilt.

„Es gibt immer weniger Betriebe, die für die Ausbildung in Frage kommen. Der personelle und finanzielle Aufwand wird größer, weil häufig schulische Defizite kompensiert werden müssen“, so Wolfgang Eder. Sie leisten einen wertvollen Dienst für die Allgemeinheit, die Unterstützung der öffentlichen Hand wird aber weniger. Das geht sich für viele Betriebe nicht mehr aus.“

Wolfgang Eder fordert daher eine nachhaltige und dauerhafte Absicherung der Lehrstellenförderung, die seit 2022 mit 280 Mio € gedeckelt ist: Der Fördertopf ist für heuer im Juni aufgebraucht!“

„Die Betriebe zahlen höhere Lehrlingseinkommen, damit die Lehre attraktiv bleibt. Jetzt muss auch der Staat seine Zusagen einhalten!“ so Wolfgang Eder und er betont: „Wir können den jungen Menschen zukunftssichere Jobs bieten, denn Künstliche Intelligenz wird auch künftig keine Haare schneiden oder färben.“

Was haltet ihr von diesen Forderungen? 

  • Ist die Senkung der Umsatzsteuer der richtige Weg?
  • Welche Maßnahmen würden Schwarzarbeit eindämmen?
  • Wie macht man den Friseurberuf für junge Menschen interessant?

Auf imSalon habt ihr jetzt die Möglichkeit, ausgewählte Artikel zu kommentieren. Schreibt eure Meinung hier drunter und diskutiert über dieses spannende Thema! 

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